Okey-Tastenfestival 2023 

Vom 30. September bis 3. Oktober fand das diesjährige Tastenfestival der Fachzeitschrift OKEY im Ringhotel Zweibrücker Hof in Herdecke statt. Der HAMMOND Nostalgie Club e.V. war auf Einladung des OKEY-Chefredakteurs Claus Riepe in diesem Jahr das zweite Mal dabei, wieder im Foyer des Ruhr-Forums im 5. Obergeschoss, einem großen hellen Raum mit Ausblick ins Grüne und auf die Ruhr: vor dem Workshop-Raum gelegen und mit einer Akustik-Decke einem idealen Ort für unseren „HAMMOND-Heaven“.

Wie im letzten Jahr hatte unser Mitglied Reiner Lutz über eine Entfernung von 500 km drei Orgeln herangeschafft: eine B3 und eine transportabel umgebaute A100 mit je einem 122er Leslie sowie eine M100. Als kleiner dimensioniertes „Spinettmodell“ ist die M100 gleichwohl einer der Höhepunkte des HAMMOND-Orgelbaues (der große Klassiker „A Whiter Shade Of Pale“ ist mit einer M100 aufgenommen worden). Alle 29 bisher erschienenen Ausgaben unserer Clubzeitschrift lagen ebenso aus wie das HAMMOND-Technik-Handbuch unserer Mitglieder Marc und Monika Michalzik. Ein in Seitenlage befestigter Generator mit sich drehenden Tonrädern diente als Anschauungsobjekt, die Tonerzeugung zu erklären. Mit von der Partie war auch in diesem Jahr wieder die Firma Keyboard-Partner mit einem elektronischen HAMMOND-Klon. Ein Vintage-Grammophon mit Schellack-Schallplatten rundete das Gesamtspektrum der Ausstellung ab.

Insgesamt waren nicht ganz so viele Besucher gekommen wie im letzten Jahr (in unserem „HAMMOND-Heaven“ und auch beim Tastenfestival insgesamt), aber bei denen, die kamen, war das Interesse genauso groß. Die einen erkundigten sich eingehend über die Technik der elektromagnetischen HAMMONDs und nach unserem Verein, andere setzten sich an die Instrumente und griffen in die Tasten. Um die ganze Faszination zu erleben, die diese wundervollen Instrumente ausstrahlen, muss man sie live erleben. So ließen sich auch George Fleury und Pete Shaw, die im Festival-Programm auf anderen Instrumenten tätig waren, die Chance nicht entgehen, bei uns ihr ganzes Können auf einer echten HAMMOND zu zeigen. Und Claudia Hirschfeld sagte, als sie auf der A100 spielte: „Das macht ja richtig Spaß.“

Die mit Abstand jüngste Besucherin war die neunjährige Verenice Heitsch: Sie lauerte auf eine Gelegenheit, dass kein Erwachsener auf den Orgeln spielte, setzte sich an die A100 und spielte Stücke, die sie im Keyboard-Unterricht gelernt hatte. Mit den für sie ungewohnten zwei Manualen kam sie sofort zurecht und sehr schnell auch mit den Zugriegeln und dem Leslie. Ihr war anzumerken, wie die HAMMOND sie in ihren Bann zog. Sehr gern wäre sie am nächsten Tag noch einmal gekommen, aber da waren die Ausstellungstage vorbei, und wir haben nur noch abgebaut. So zeigte sich einmal mehr: Die HAMMOND ist kein Überbleibsel vergangener Zeiten, sondern vermag nach wie vor Angehörige aller Generationen zu begeistern -  wenn sie nur die Gelegenheit haben, hautnah mit ihr in Berührung zu kommen.

Zwei unserer Mitglieder waren im Workshop-Programm des Festivals involviert: Anna Will hielt anhand von „Fly Me To The Moon“ einen überaus informativen und anschaulichen Harmonielehre-Workshop und konzertierte im Late-Night-Programm in der Kellerbar des Hotels; Thomas Gulz präsentierte in seinem Stilistik-Workshop auf der A100 eine große stilistische Bandbreite dessen, was auf einer HAMMOND alles möglich ist.

Abends fanden im großen Saal des Erdgeschosses je zwei Konzerte statt. So spielte das Trio „Neuzeit“ ideenreich arrangierte Klassik-Adaptionen auf Schlagzeug, Kontrabass und  -  nein, nicht auf neuzeitlichen, sondern auf Vintage-Keyboards: einer Korg-Zugriegel-Orgel und einer Philicorda. Pete Shaw bewies mit Stücken aus Jazz, Pop und Barock (Bachs D-Moll-Toccata) eine große Vielseitigkeit, wobei er als Pianist auf dem (Keyboard-)Klavier besonders brillierte.

Ein unbestreitbarer Höhepunkt war das großartige Konzert, das Thomas Gulz auf der HAMMOND A100 im Duo mit dem Schlagzeuger Benny Mokross spielte. Das Duo nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch mehrere Jahrzehnte, von Musical-Melodien aus den 1940er und 50er Jahren über Jazz-Standards unterschiedlicher Stilrichtungen bis hin zu Stevie Wonder’s „Isn’t She Lovely.“ Der Soul-Klassiker „Sunny“ war ebenso dabei wie Herbie Hancocks „Watermelone Man“ und Ausflüge in die Gospelmusik („The Preacher“) oder die KIassik (A.Dvoraks „Humoreske“). Brasilianisch wurde es mit A.C.Jobims Bossa „Wave.“ Schwerere Kost war Miles Davis‘ „Solar“, gefolgt vom Swing-Klassiker „Chattanooga Choo Choo“, der lautmalerisch die Fahrt einer Dampflok beschreibt. Mit Duke Ellingtons „Satin Doll“ und dem virtuosen „Tico Tico“ der Organistin und Schauspielerin Ethel Smith endete das überaus abwechslungsreiche Konzertprogramm, auf das das Duo noch „The Lady Is A Tramp“ als Zugabe folgen ließ.

Thomas Gulz beeindruckte durch seine stilistische Vielseitigkeit und die Art und Weise, wie er die Stücke vortrug: virtuos, leidenschaftlich und in perfektem Zusammenspiel mit Benny Mokross, den er erst einen Tag vor dem Tastenfestival kennengelernt hatte. Der Applaus war so leidenschaftlich und anhaltend wie bei keinem der anderen Konzerte. Er galt den beiden hervorragenden Musikern, aber irgendwie auch dem Instrument, der HAMMOND: es ist, wie Claus Riepe es formuliert hat, immer wieder ein erhebendes Erlebnis, die „Ur-Orgel“ live zu erleben. Dieses Erlebnis vielen zu vermitteln war unser Anliegen, mit dem wir nach Herdecke gekommen waren. Unser Dank gilt Claus Riepe, der das mit seiner Einladung möglich gemacht hat.